Weil es zur Flucht von König Ludwig III mehrere erzählte Versionen gibt, spricht die Darstellung in der Literatur auch die politisch verfahrene Situation aus: Einerseits kann der König noch im Englischen Garten spazieren gehen, andererseits ist seine Leibgarde schon nicht mehr in der Lage und bereit, ihn zu verteidigen: Etliche haben die „spanische Grippe*“, andere werden Soldatenräte.

Die Flucht des König Ludwig III

Die Situation im Land hatte sich zugespitzt: Demonstrationen von RüstungsarbeiterInnen forderten schon im Januar 1918 den Frieden, statt Friedensverhandlungen mit Gebietsansprüchen,

im Juni war eine letzte Offensive gegen Frankreich gescheitert, die USA waren mit 2 Mio Soldaten an der Westfront in den Krieg eingetreten.

Kurt Eisner musste nach acht Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen werden, weil er Reichstags-Kandidat für die USPD wurde, in der Nachwahl des erkrankten Vorsitzenden der SPD, Vollmar,

und er bereitete sofort Demonstrationen und öffentliche Reden vor, während die königlich-bayrischen SPD-Minister planten, die Sache im Griff zu behalten …

… sagten Passanten im Englischen Garten zum König: Herr König, gehen Sie heim, es ist Revolution … und er ließ seine Familie in zwei Autos packen, er mit einer Kiste Zigarren unter dem Arm, nach Österreich / Ungarn zu fliehen.

Dort gerieten sie im November-Nebel des Inntals bei Rosenheim in einen Kartoffel-Acker, und die Bauern meinten wohl zu den Fahrern (Chauffeure durfte man seit Kriegsbeginn nicht mehr sagen), die spät nachts um Hilfe mit Pferden beim Herausziehen fragten, da könnte ja jeder kommen und behaupten, er wäre mit dem König unterwegs …

wikipedia weiß dazu:

späterSchnee 20180318Während des Krieges wurde der König zunehmend unpopulär. Im Zuge der immer schlimmer werdenden Lebensmittelknappheit wurde Ludwig sogar gerüchteweise zu Unrecht vorgeworfen, die auf seinem Gut produzierten Güter zu überteuerten Preisen zu verkaufen und nur seinen Profit steigern zu wollen.[10]

Im Oktober 1918 geriet München dann zunehmend in eine aufgewühlte Atmosphäre und politische Veranstaltungen sowohl in Bierkellern als auch im Freien hatten starken Zulauf. Seit September 1917 diskutiert, wurde noch am 2. November 1918 eine umfangreiche Verfassungsreform durch ein Abkommen zwischen der Kgl. Staatsregierung und allen Landtagsfraktionen geschlossen, die unter anderen die Einführung des Verhältniswahlrechts vorsah.

König Ludwig III. stimmte noch am gleichen Tage der Umwandlung der konstitutionellen in eine parlamentarische Monarchie zu. Die Ausrufung der Republik nur fünf Tage später kam dieser jedoch zuvor.[11]

Erstmals am 3. November 1918 kamen auf Initiative der USPD auf der Theresienwiese gut tausend Menschen zusammen, um für Frieden zu demonstrieren und die Freilassung inhaftierter Streikführer zu fordern. Im Zuge der Novemberrevolution proklamierte Kurt Eisner am 7. November 1918 den Freistaat Bayern und erklärte Ludwig als König für abgesetzt. Damit war er der erste deutsche Monarch, den die Revolution vertrieb. Schnee-Brücke

Trotz der seit längerem gärenden Unzufriedenheit unter der in weiten Teilen notleidenden Bevölkerung traf der Aufruhr den König völlig unvorbereitet. Vom Ausbruch der Revolution soll er bei seinem täglichen Nachmittagsspaziergang im Englischen Garten von einem Passanten erfahren haben.[12]

Nach seiner Rückkehr in die Residenz fand er diese vom Personal und den Wachen weitgehend verlassen vor. Da die Sicherheit des Königs nicht mehr zu gewährleisten war, veranlassten ihn seine Minister mit dem restlichen Hofstaat mit Automobilen nach Schloss Wildenwart im Chiemgau abzureisen.

Später musste er weiter an den Hintersee in Ramsau bei Berchtesgaden fliehen, und als auch hier die Sicherheit des Königs bedroht schien schließlich Bayern verlassen und im Schloss Anif nahe Salzburg in Österreich Zuflucht suchen.[13]  Am 13. November 1918 entband Ludwig mit der Anifer Erklärung die bayerischen Beamten und Soldaten ihres Treueeides und stellte damit den Fortgang der Verwaltung sicher, verweigerte jedoch die Abdankung.[14]
Erinnerungstafel zu Ludwigs Aufenthalt im Posthotel Kassl in Oetz vom 28. Februar bis 3. April 1919[15]

Letzte Jahre

Kurz nach der zeitweisen Rückkehr Ludwigs nach Bayern wurde im Februar 1919 Kurt Eisner durch den Aristokraten Anton Graf von Arco auf Valley ermordet, so dass Ludwig, der in der Folge einen Racheakt erwartete, Bayern wieder verließ. Schon am 3. Februar 1919 war seine Frau Marie Therese auf Schloss Wildenwart verstorben. Goldene Hochzeit

Ludwig lebte zunächst auf seinen Gütern in Ungarn und nach dem dortigen Ausbruch der Revolution in der Schweiz im Exil. Im April 1920 kehrte er nach Bayern zurück, wo er wieder auf Schloss Wildenwart wohnte und gelegentlich Ausflüge nach Lenggries und Berchtesgaden unternahm. Am 18. Oktober 1921 starb Ludwig während einer Reise auf seinem Schloss Nádasdy in Ungarn.

die „spanische Grippe*“

war eine Grippewelle, die im Winter 1918/19 ganz Europa erfasst hatte, aber nur Spanien konnte in den Zeitungen dazu schreiben: Es war kriegswichtiges Geheimnis, wie viele Menschen erkrankt waren, weil die feindliche Front die Schwäche der gesundheitlich vom Hunger angegriffenen Front erkennen hätte können …

… und wenn sich heute Seehofer und Söder wie ein König von Gottes Gnaden benehmen, werden wir die Demokratie neu entdecken müssen!

eins zwei drei Königs-frei!

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