Was in unserem Geschichts-Unterricht falsch lag … und zur Heimatkunde mehr gebracht hätte als die Folklore der Landshuter Hochzeit und die Frömmigkeit am Schädel der mörderischen katholischen „Helden“ wie Tilly in Altötting …

denn 1705 war in den pubertären Jahren viel zu weit weg und die Titel der Historiker und Politiker und deren Hochzeits-Politiken nur enorm befremdlich:

Ein Parlament in Bayern 1705?

König Max-Joseph an der ResidenzZu Beginn des 18. Jahrhunderts blickte Europa nach Bayern. In der Schlacht von Höchstädt 1704 verschob sich die politische Achse im Spanischen Erbfolgekrieg. Durch den Sieg der Alliierten über den bayerischen Kurfürsten Max Emanuel musste dieser Bayern verlassen, Besatzungstruppen pressten das Land aus. Passiver schlug in aktiven Widerstand um. [1]

Die Menschen in Bayern nahmen ihr Schicksal selbst in die Hand und schafften etwas völlig Neues. Dieser einzige echte Volksaufstand der bayerischen Geschichte richtete sich gegen eine Kaiserliche Fremdherrschaft, die Bayern und seine Menschen rücksichtslos ausbeutete. Er organisierte sich als kurbayerische Landesdefension mit großen Heerhaufen und sogar mit einem Parlament, das in Braunau tagte und daher auch als Braunauer Parlament bezeichnet wird. In diesem Parlament waren alle vier bayerischen Stände vertreten, auch der Adel. (wikipedia) Braunauer_Parlament

Die Münchner reden nur von ihrer „Mordweihnacht“

und dem „Schmied von Kochel“ in Obersendling … und dann sind wir zwar an vermeintlich heldischen Kämpfen, die kaiserlich nieder geschlagen werden, bekommen aber keinen Blick auf die Organisation dieses Parlamentes, die sicher nicht von „Helden“ und „Schmieden“ mit Gewalt erreicht worden war:

Wie kamen sie zu der Vorstellung von den gleichen Rechten, während der Adel sich in Frondiensten die Schlösser bauen und ausbauen ließ?

Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?

In den Bauernkriegen wussten die Kämpfenden gegen eine willkürliche Obrigkeit: In der Bibel gab es noch keinen Adel, der jetzt die „Pfaffen“ auf der Kanzel bezahlte, mit den Fürst-Bischöfen tafelte und die Kriegs-Reste in den Familien verteilte.liguster an der buchhandlung am johannisplatz

Braunau als „Geburtsstätte“ von Demokratie

„Unter der Leitung des Salzburgers Andreas Maislinger geht es bei den Braunauer Zeitgeschichte-Tagen bis Sonntag um jene vergessene Revolution von 1705 im Innviertel, die Experten als Geburtsstunde moderner Verfassungen sehen.“ …

„Abseits von Adolf Hitler ist kaum bekannt, dass die Stadt Braunau im 18. Jahrhundert eine stark humanistisch orientierte und aufklärerische Rolle spielte und damit ideen-geschichtlich auch auf andere Teile Europas einwirkte.“ orf.at/magazin/leben/stories/59769/index.html

Parlament mit allen Ständen

Fechenbach-Frau-Eisner„Wuermeling betont, dass eine eigene Regierung und ein eigenes Parlament gegründet werden sollten. Diese Strömung mit republikanischen Ansätzen erfasste das Innviertel und Bayern zu einer Zeit, als in weiten Teilen Europas noch absolutistische Monarchien vorherrschten.

Das Ende des 30-jährigen Krieges, dem Millionen Europäer wegen fürstlicher Eitelkeiten sowie Rivalitäten zwischen Katholizismus und Protestantismus zum Opfer fielen, lag gerade erst ein paar Jahrzehnte zurück.“

Die Feldherren stehen noch in der Feldherren-Halle, Max1 der katholische Hetzer im 30-jährigen Krieg sitzt auf dem Pferd am Wittelsbacher Platz.

Erstaunlicherweise waren 1705 im Braunauer Parlament alle vier Stände vertreten – also auch der bei vielen verhasste Adel – um die Spannungsfelder zwischen diesen Gruppen drehen sich die Zeitgeschichte-Tage auch:

Volksaufstand gegen Absolutismus

Friedensengel -SiegesgöttinDieses `Baiernparlament` in Braunau am Inn rief zum Volksaufstand gegen kaiserliche Bevormundung von außen auf, der das Land befreien sollte. Es war – wenn man so will – ein anarchisch-regionales Aufbäumen gegen die Zentralmächte des Deutschen Reiches.

Einflüsse nach Paris und Amerika?

Das „Braunauer Parlament“ wurde letztlich von Kaiserlichen blutig aufgelöst und der Aufstand niedergeschlagen.

Aus der Sicht mancher Fachleute hatten Vorgänge in und um Braunau damals auch ihren Einfluss auf die Entwicklung ähnlicher Ideen von Freiheit und Menschenrechten in anderen Regionen, die letztlich zur Französischen Revolution (1789) bzw. zur Unabhängigkeitserklärung der USA (1776) führten.