Am 7. 1919 hatte in München eine Räterepublik begonnen, die leider nur eine Woche dauerte, denn die Demokratie war in Bayern immer von den Besitzenden unter Beschuß genommen worden:
Gustav Landauer und Erich Mühsam und Ernst Toller sind die bekanntesten Personen, die nach der Ermordung von Kurt Eisner durch einen „katholischen Burschenschafter“ und nach einigen Rätekongressen in München und Berlin, nach der Flucht der Parlamentarier der Mehrheits-SPD nach Bamberg in München im Wittelsbach Palais eine Räteregierung zusammengestellt, die eine Woche später, am damaligen Palmsonntag, durch einen Putschversuch aus Bamberg zum Teil entführt, zum Teil zersteut wurde:
Erich Mühsam und einige Genossen landeten nach ihrer Entführung in Ebrach in diskriminierender Haft, wodurch allerdings die meisten die Rätezeit überlebten. Die Thulegesellschaft hatte die Informationen geliefert, die Bamberger Regierung der Mehrheits-SPD (die als frühere Pazifisten den Kriegskrediten zustimmten) einen Zug mit Putschisten, die Erich Mühsam und einige weitere #Arbeiterräte verhafteten. Zenzl Mühsam konnte weitere Räte noch telefonisch warnen.
Am 6.4.1919 war Erich Mühsam 41 Jahre alt geworden, am nächsten Tag konnte er Gustav Landauer zum 49. Geburtstag gratulieren: zum Beginn der anarchistischen Räterepublik, die nur eine Woche Zeit hatte … 
Zu seinem 49. Geburtstag wurde der, was man bis dahin und hinterher wieder Kultusminister nannte: Volksbeauftragter für Volksbildung sollte das alte „Minister“ in die Republik übertragen …
Der 7.4. war 1919 in Baiern ein Nationalfeiertag,
die Ausrufung der Räterepublik, in der Gustav Landauer als der Beauftragte für Kultur auch seine Ideen der Hochschulreform angehen wollte – die Hochschulen waren damals noch ein männlich-reaktionärer Laden wie in Bayern noch in manchen oberen Resten noch heute. Erhalten blieb der Allgemeine Studenten-Ausschuss ASTA bis zur Auflösung vor einigen Jahren.
Palmsonntagsputsch
http://eineweltnetz.org/mo-geburtstag-erich-muehsam-142-und-di-gustav-landauer-150/
Die Vorläufer des „VerfassungsSchutz“ sehe ich neben den europäischen Absprachen zur Sozialisten-Verfolgung in der Polizei in der ThuleGesellschaft mit der damaligen Mehrheits-SPD der bayrischen Parlamentarier, die im Reichstag für die Kriegskredite gestimmt hatten, nun in Zusammenarbeit mit der Ebert-Regierung in Berlin:
Das Hotel Vierjahreszeiten in München war der Sitz der antisemitisch-germanisch rassistischen Thulegesellschaft, entstanden aus dem nordisch germanischen Hammerbund, die die Räterepublik bekämpfte und bespitzelte und für die #SPD ein rechtes bewaffnetes Freikorps aufstellte, um die Räte zu ermorden.
Später wurden – wie das seit den Kriegshandlungen durch Belgien nach Frankreich in den Dörfern bei den militärischen Überfällen üblich geworden war – Geiseln genommen, um die andere Seite zum Einhalt zu zwingen. Neun Mitglieder der ThuleGesellschaft, in deren Büroräumen Waffenlager gefunden worden waren, wurden als Geiseln genommen und in den Wirren des Angriffs der Freikorps und der SPD-Reichswehr erschossen.
Die Thulegesellschaft nutzte dies später sehr zur Propaganda gegen die Politik der Arbeiterräte, die reaktionären Mörder von etwa 1000 Münchner*innen wurden dann weitgehend freigesprochen, während viele Mitwirkende der „Roten Armee Baiern“ sofort erschossen worden waren.
Wie Gustav Landauer zum Anarchisten wurde
https://archive.org/details/Christoph_Knueppel_Wie_Gustav_Landauer_zum_Anarchisten_wurde 1h 49min zu hören
der Ausbruch der Demokratie
Die Rätezeit wird von alten Historikern oft als chaotisch, zerrissen etc. dargestellt, wie in der Beschreibung zum Film „Die Münchner Räterepublik – Sturz der Monarchie“ drei Stunden in zwei Teilen: „Kurt Eisner – Zwischen Demokratie und Diktatur“ und „Ende mit Schrecken“ des zdf von 1971 https://www.zauberspiegel-online.de/index.php/historisches-mainmenu-13/gesehenes-mainmenu-165/42684-die-muenchner-raeterepublik-sturz-der-monarchie
Von unten gesehen ist der Kampf um Demokratie und Freiheit damals schon 400 Jahre alt, und heute, nach 500 Jahren Bauernaufständen und Demokratie-Entwürfen verteidigt das Kapital seine Lobby-„Parteien-Demokratie“, die uns immer bizarrer erscheint. Aber das damals kaiserlich-königlich akzeptierte Vorschlags-Parlament mit polarisierenden Wahl-Kämpfen ist nicht zur wirklichen Selbstorganisation des Volkes geworden.
gar nicht leicht, die damalige Arbeit und Art der Räte zu ergründen … und das neu eingeführte Frauenwahlrecht war noch nicht wirklich integriert …
Repressalien gegen Pazifistinnen
in der Broschüre des Kulturreferat München:
Überzeugte Pazifistinnen. Unten: Anita Augspurg (links) und Lida Gustava Heymann (rechts) von der radikalen bürgerlichen Frauenbewegung, Aufnahme um 1920. Oben: die Sozialistinnen Clara Zetkin (links) und Rosa Luxemburg (rechts). S 112
Es sind nicht viele Frauen, die sich der Kriegseuphorie zu Beginn des Ersten Weltkrieges nicht anschließen. In Berlin sind die herausragendsten Kriegsgegnerinnen die Sozialistinnen Rosa Luxemburg (1871–1919) und Clara Zetkin (1857–1933). In München gehören Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann zu den entschiedensten Kriegsgegnerinnen. Sie lehnen jede Beteiligung am „Nationalen Frauendienst“ vehement ab.
Für diese Haltung werden sie nicht zuletzt von den kriegsbegeisterten Teilen der Frauenbewegung massiv kritisiert. Von Seiten der Behörden werden ihre pazifistischen Aktivitäten bespitzelt und verfolgt.
Der Frauenstimmrechtsbund und die Münchner Friedensgesellschaft erhalten ab März 1916 Versammlungs- und Publikationsverbot. Neben Lida Gustava Heymann und Anita Augspurg sind nun auch Margarethe Selenka, Margarete Quidde, Lucy Hoesch-Ernst und Marie Zehetmaier von der Postüberwachung und dem Verbreitungsverbot pazifistischer Schriften betroffen.
Lida Gustava Heymann wird schließlich aus Bayern ausgewiesen. Sie kann sich aber auf „Burg Sonnensturm“, dem Landgut im Isartal, das sie zu dieser Zeit gemeinsam mit Anita Augspurg betreibt, verstecken.
Nachdem die zunächst wenigen, aber entschiedenen pazifistischen Stimmen von den Behörden weitgehend zum Schweigen gebracht worden sind, entwickeln sich die Arbeiter/innen zur treibenden Kraft gegen den Krieg. Ende Januar 1918 finden im ganzen Reich Streiks für einen sofortigen Friedensschluss und für eine bessere Versorgungslage statt.
In München demonstrieren die streikenden Arbeiter/innen auf der Theresienwiese für Brot und Frieden. Die Lederfabrik am Biederstein, in der vor allem Frauen beschäftigt sind, gehört in München zu den ersten Betrieben, in denen gestreikt wird. Auch in den streikenden Rüstungsbetrieben ist der Frauenanteil – bedingt durch den Krieg – sehr hoch.
In seinem Roman „Wir sind Gefangene“ schreibt Oskar Maria Graf:
„Frauen mit ausgelaugten Gesichtern, zerarbeiteten Händen und entschlossenen Augen. Sie waren eigentlich die Nüchternsten, die Mutigsten. Sie arbeiteten in den Granatfabriken, waren Straßenbahnschaffnerinnen, sie schufteten sonst wo und erzählten von ihren Nöten, von den Schwierigkeiten der Agitation unter ihren Kolleginnen, und sie machten Vorschläge.
Sie waren die ersten, die in München in jenem grauenvollen Kriegswinter die ersten Hungerdemonstrationen wagten, sie gingen als erste anlässlich der Januarstreiks 1918 mit Eisner ins Gefängnis.“ ቕ 03 Oskar Maria Graf „Wir sind Gefangene“
Unter den verhafteten Streikführern sind neben Kurt Eisner, dem späteren ersten bayerischen Ministerpräsidenten, auch drei Frauen: Emilie und Babette Landauer – keine Verwandten von Gustav Landauer – sowie Sarah Sonja Rabinowitz (1882–1918), verheiratete Lerch, Mitbegründerin der Münchner USPD, die bereits an der russischen Revolution 1905 aktiv teilgenommen hatte.
Ihr Mann, Eugen Lerch, möchte sich nach ihrer Verhaftung „aus patriotischen Gründen“ von ihr scheiden lassen und kündigt dies in einer Zeitungsanzeige an. Am 31. März 1918 wurde sie erhängt in ihrer Zelle in Stadelheim aufgefunden. 11 3

Schreibe einen Kommentar
Nur Personen in meinem Netzwerk können kommentieren.